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Straßenmusik im schönen Prag - September 2009
Irgendwann musste es ja mal passieren: wir
wurden von der Straße vertrieben. Aber von vorne: Die Geschichte begann mit
unserem seit langem gehegten Vorsatz, in der zauberhaften Moldaumetropole
Straßenmusik zu machen - am liebsten auf dem belebten Altstädter Platz, der
Touristen-verstopften Karlsbrücke und in den beschaulichen Gassen auf der
Prager Kleinseite. Soweit der Plan.
Früh am Samstagmorgen machten wir uns auf die (gummibereiften) Strümpfe
in Richtung Prag, entschieden uns dort für den etwas teuren, dafür aber
laufnahen Parkhausplatz am Theater und gingen auf die Pirsch nach einer
geeigneten Straßenbühne. Auffällig war schon, dass es auf der Altstadtseite
kaum Konkurrenz gab, aber das beunruhigte uns wenig, hatten wir doch in
deutschen Touristen-Hochburgen Ähnliches erlebt.
Da wir bei der Platzwahl für gewöhnlich äußerst mäkelig sind, dauerte die
Prozedur ihre Zeit und wuchs sich zu einer kleinen Stadtwanderung aus.
Schließlich wurden wir in der Karlova fündig, einer charmanten
kleinen Gasse in bester Lauflage. Also auspacken
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Nun waren wir ja sowieso gespannt, wie die Prager und die Touris aus
aller Herren Länder auf unsere deutschen Liedlein reagieren würden. Und
besteht bei einem Kurs von 1:26 das Hutgeld vorwiegend aus Alu-Hellern?
Braucht man dann Münzsäcke, um die Ausbeute in die nächste Kneipe zu tragen
und wird man dort vom Wirt verprügelt oder lächelt der beseelt ob des
Kleidgeld-Segens? All das interessierte uns brennend. Es gab nur einen Weg,
das heraus zu finden - wir spielten drauf los.
Wie immer brauchte auch unser Prager Publikum ein Weilchen, sich
einzulassen. Nach vier Titeln hatten wir die ersten Passanten am Kanthaken
und im Hut klimperten auch schon mal harte Münzen, als plötzlich Polizei
auftauchte. So was hebt uns ja erstmal gar nicht an, also sangen wir lustig
weiter. Der "Lauf, Müller lauf..." hat bekanntermaßen viele Strophen, die
drei Ordnungshüter mussten also warten und wir hatten kurzzeitig den
Eindruck, dass sie sich durchaus auch gut unterhalten fühlten.
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Jedoch noch vor dem letzten Refrain postierte sich einer links, einer
rechts und die nette Polizistin frontal und so in die Zange genommen,
verstummten wir schließlich doch - in etwa so, wie man eine Lampe dimmt.
Jetzt wurden die Amtsminen ernst und erklärten uns multilingual, dass
Straßenmusik ohne amtliche, sprich magistrale Genehmigung gar nicht geht. Es
gelang uns jedoch anscheinend glaubhaft, ehrliche Fassungslosgkeit und naive
Unschuld zu demonstrieren, denn die Polizisten sahen nach intensiver
Beratung von einer Geldstrafe ab (immerhin 10.000 Kronen!) und
entschuldigten sich fast für den Amtsschimmel im Prager Magistrat.
Auch bemühten sie sich redlich uns zu erklären, wie man eine solche
Genehmigung beantragt. Damit nicht genug: Ein benachbarter Straßengeiger um
die Ecke wurde kurzerhand aufgefordert, sein Scheinchen vorzeigen, damit wir
eine gegenständliche und finanzielle Vorstellung von der Bürokratie
bekommen. Der verunsicherte Musikerkollege zeigte sich ängstlich-beflissen,
die Ordnungsmäßigkeit seiner Genehmigung zu beweisen, all das half uns
jedoch auch nicht wirklich weiter, denn der Magistrat hat am Samstag
selbstverständlich geschlossen. Blieb den Helfern in Uniform also nur ein
guter Rat: wir sollten es doch mal in den Kneipen versuchen.
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Das taten wir dann auch schweren Herzens und machten uns auf den Weg ins
berüchtigte U Fleku. Der Weg dorthin führte uns an der Vatikanische
Botschaft vorbei und was wir nicht wussten war, dass unser lieber
Deutschpapst just an diesem Wochenende Prag heimsuchte. Unter all den
Zaungästen an der Polizeisperre waren wir mit unseren Instrumentenkoffern
wohl doch etwas auffällig, denn die Scharfschützen auf den umliegenden
Dächern nahmen uns regelrecht ins Visier. Hier hörte der Spaß für uns dann
doch auf und wir suchten schnell Zuflucht in der alten Bierschwemme Beim
Fleck.
Hatten wir zunächst noch das feste Vorhaben, dort zu musizieren, erwies
sich auch dieses als unmöglich; Das U Fleku wird durchgehend von
Akkordeon-Spielern beschallt, denen wir den Job nun wirklich nicht streitig
machen wollten. Außerdem schmeckte das Bier viel zu gut.
So haben wir uns ein freies Wochenende gegönnt, das schöne Prag im
goldenen Herbst genossen und sind am Sonntagabend ohne Groll nach Hause
gefahren. Und irgendwann starten wir sicherlich einen zweiten Versuch.
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