Freie Straßenmusik auf dem tff 2015 nicht mehr erlaubt?

Wenn man sich als freier Straßenmusikant ein Jahr lang auf das nächste tff freut, kann´s schlimmer eigentlich nicht kommen: Zwei Tage vor Ultimo erreichte uns in Form einer lapidaren News-Meldung im Web die Hiobsbotschaft, dass die Organisatoren des tff kurzerhand entschieden hatten, freie Straßenmusik in der Innenstadt außerhalb des offiziellen Programms zu unterbinden. Genau die gehört aber für viele seit Anbeginn zum Flair von Rudolstadt und erinnert so manchen an weniger kommerzielle Tage.

Auch wenn die Begründung für eine solche Entscheidung rein sachlich betrachtet einigermaßen nachvollziehbar scheint, fehlt es wohl irgendwie am guten Willen der Festivalmacher zur Differenzierung und am Mut zur Kreativität im Umgang mit dem Thema. Veranstaltungen wie das Kulturufer in Friedrichshafen sind der Beweis, dass man für spontane resp. freie Straßenmusik klare Regeln aufstellen kann, die für alle Seiten praktikabel sind. Spontaneität lässt sich also durchaus lenken und irgendwie planen.

 

Bierprämie für freie Fahrt...

Der im Forum etwas versteckt vorgebrachte Vorwurf in Richtung subversive Musikanten, beim tff zu Lasten der offiziellen Künstler den großen Reibach zu machen, ist wirklich lächerlich. Natürlich erreicht man nirgendwo anders so viel Folkies auf einem Fleck und hat schon deswegen gute Chancen, so vorhanden seine Kleinauflage einer CD an die Frau / den Mann zu bringen. Schädliche Auswirkungen auf das „offizielle“ Geschäft können solch marginale Größenordnungen wohl kaum haben! Ebenso wenig wird der Euro in den Straßen-Hut zur Verarmung der Bühnenmusiker führen, tauscht man ihn doch meist noch am Abend gegen Bier, Mutzbraten & Co. und führt den "Reichtum" so flugs wieder dem tff-Kreislauf zu.

Im Vordergrund stehen tatsächlich der große Spaß am Musizieren und die Beflügelung durch ein tolles Publikum. Unterm Strich deckt der ganze Spaß für die meisten Musikanten wahrscheinlich gerade mal die Kosten. Was aber tatsächlich hängen bleibt, ist für alle ein Zugewinn an Vitalität, Vielfalt und Flair.

Und so haben wir uns in diesem Jahr nach kurzem Zögern dann doch entschieden, mit Instrumenten zum tff zu fahren. Dass wir nicht verjagt wurden, hat uns optimistisch gestimmt. Wir haben uns aber auch größte Mühe gegeben, an unserem Lieblingsbrunnen nicht zum Störfall zu werden und jedem Gefährt freie Gasse zu verschaffen. Prämiert wurde das, übrigens sehr zur Erheiterung des Publikums, durch die emsigen Bierlieferanten mit einem Freibier. Geht doch!

Vielleicht finden die Organisatoren ja doch noch eine gescheitere Lösung als das schlichte Verbot. Wir sind gespannt.

 

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