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Unfolkkommen

Säggs'sche Liedtexte

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Das Warenhaus

Wenn meine Frau mich ärschern will sacht sie: Mei lieber Mann, 
heut gehn mor mal ins Warenhaus, heut guck mor uns was an.
Paar Knöbbchen brauch ich sowieso und och en neuen Topp, 
e Stickel Seefe noch dazu und och en andern Mopp.

Steck de Pinke in de Tasche, sagt se, Mensch nu meer dich aus, 
und se wuselt wie e Wiesel schon vergniecht zur Bude naus.
Schnell de Pfeife in de Gusche und den Fahrplan in de Hand,
wird mit riesengroßen Schritten nach´m Bahnhof hingerannt.

Und kommt se erscht am Ziele an, da geht der Deeps schon los,
se guckt sich so Verschiednes an, egal ob kleen ob groß:        

In Unterwäsche, Sauerkraut, in Zwirn und Priem und Rum, 
in Wurscht und Creme für de Haut, da mährt se drinne rum.
Hosenträger, Marmelade, Schnupftabak und Rattengift,
Jauchenschöpper, Abenkleeder, Kälberstrick und Lippenstift.
Tabakpfeifen, Ansichtskarten, Scheuerhader, braune Schuh, 
koofen tut se reene garnischt, aber nischt lässt se in Ruh:

Von eenem Stand zum andern geht's zur Wolle rot und grien, 
ma Unterröcke, Überzieher, Futter, Kalk, Parfüm.
Och Abführmittel, Fleeschsalat und Kümmelkäse scheen, 
de Büstenhalter, Ölsardin`, die will se och noch sehn.
Hundekuchen, Seefennäppel, Schlüpper, Schnaps und Marzipan,
saure Gurken, Damenhüte, Büchsenfleesch und Baldrian.

Und wenn de fragst, is denn nu Schluß, da kommste scheene an.
Bei Rollmops und Schokladenzeuch, da fängt se erscht richtsch an:

Ob Läuserechen, Äppelwein, ob Aal, ob Bohnerwachs,
ob Spitzenhosen mit`m Schlitz, da staunste lieber Max.
Seidne Tücher und Pullover, Rutenbesen, Kaviar,
blaue Schürzen, Quetschkommoden und Pomade für das Haar.
Wanzenmittel, Puderzucker, Pudelmützen scheen bestickt 
und ne seidne Damenwäsche macht dich selber ganz verrickt.
 

Strumpfbandhalter, Tafelöl, Kalender, Schminke, Salz, 
e Gummihütel, Bemmpapier, ne Boa für den Hals.
Kragenknöppe und Stecknadeln, Holzpantin und Schreibpapier
Geeferlätzchen, griene Seife, Lebertran und helles Bier.
Wollne Socken, Schnautzenhobel, Knobelbecher und Zigarrn, 
Kinderkutschen, Puppenmöbel, Blumentöppe, seidnes Garn.

Ja, wenn se dann nich weiter weeß und is dann endlich rum, 
da dreht se sich erscht, eh se geht, noch e paar mal um sich rum:

In jeder Ecke bleibt se noch e kleenes Bissel stehn
und lachend sagt se endlich dann: Nu komm nor Mann, mor gehn.
Miede, matt und wie gerädert geht es endlich dann nach Haus
und vor Hunger hängt der Maachen dir schon fast zum Halse raus.
Doch sie ist noch bei bester Laune, denn koofen tut se doch zu gern. 
Heute war’s e bissl wenig: Nur e kleenes Sternchen Zwern.
 
Quelle: Wir hatten vor einiger Zeit aus dem Publikum einen wunderbaren Liedtext mit zeitlosem Inhalt bekommen und mangels überlieferter Melodie selbst eine geschrieben.
 

Kontakt

In unserem kurzweiligen Workshop erzählen wir Euch davon. Wir haben acht Lieder aus unserer Region ausgewählt, die wir in den letzten Jahren ausgegraben, zufällig gefunden oder aus dem Publikum geschenkt bekommen haben. Zu all diesen Liedern gibt es eine Geschichte, alte Liederbücher, Grafiken, Fotos oder alte Liedpostkarten, die wir zum Anschauen und Anfassen dabeihaben. Im Mittelpunkt jedoch steht meist die uns von netten Menschen ins Handy gesungene Liedvariante, vielleicht noch etwas illustriert mit gefundenen Melodie-Vorlagen.

Mit diesem Werkzeugkasten erzählen wir Euch, warum und wie wir diese Lieder gesucht und gefunden haben, wie wir mit dem vorgefunden Material (mal mehr oder weniger behutsam) umgehen, warum es früher oftmals keine Refrains gab und wir den selber schreiben mussten oder dass es auch für uns Strophen und Textpassagen gibt, die im früheren Kontext zwar absolut verständlich waren, für uns heute aber nicht mehr singbar sind. 

Liedtexte nebst Quellen und Grafiken haben wir für jeden Teilnehmer als kleines analoges Heften dabei, so dass Ihr auch alle mitsingen können. Bei allem Spaß, den wir im Workshop haben werden: Wir sind uns sicher, dass Ihr mit der Erkenntnis nach Hause geht, dass Folkslieder in Mundart zu singen weder peinlich noch putzig ist, sondern ein wertvoller und erhaltenswerter Teil unserer regionalen Tradition und unseres kulturellen Erbes.

Unsere Quellen seht Ihr in der Bildergalerie.
© Unfolkkommen
Verstanden
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