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Unfolkkommen

[28.06.2014]

Saale-Weinmeile von Roßbach nach Bad Kösen

Juni 2014

Das Trauma vom letzten Jahr saß tief. Zwar hatten wir uns dieses Mal rechtzeitig eine der begehrten Unterkünfte im Saaletal gesichert, mussten jedoch drei Tage vor der Reise frustriert feststellen, dass sich unsere Betten wieder mal in Luft aufgelöst hatten. Das Positive: Im Gegensatz zum Vorjahr hatten wir noch drei Tage Luft, den Fünfer im Lotto mit Zusatzzahl zu ziehen. Und bei allem Pech haben wir eben doch auch immer wieder unverschämtes Schwein. Im Gästehaus der Caritas waren kurzfristig Gäste abgesprungen und hatten ein exaktes Ein- und Zweibettzimmer-Loch hinterlassen.

So konnten wir am Samstag Vormittag ganz entspannt in Bad Kösen mit unserem Bollerwagen losziehen. Per Shuttle-Bus ging's zunächst nach Roßbach, denn nach den Erfahrungen vom letzten Jahr und einem netten Insider-Hinweis wollten wir dem Partylärm und Rambazamba entfliehen, der des Abends in Roßbach unweigerlich droht. Nach einem guten Begrüßungsschluck sind wir schließlich losgetippelt.

Wenn man das Programm der Meile liest und sich dabei den Kartenmaßstab vor Augen hält wird schnell klar, dass es nur sehr wenige akustische Oasen gibt, die sich für unsere Zwecke eignen. Im Gegensatz zum letzten Jahr, wo der morgendliche Regen noch für gelassene Ruhe auf der Meile sorgte, zog das Wetter heuer schon sehr früh wahre Massen und damit auch allerorten kulturelle Bespaßung an.
Ein Versuch, in der Böttcherei zu musizieren scheiterte, weil die Gastgeber dort eben mal RUHE bieten wollen. Auch ungeeignet für uns. Im kleinen Hof einer netten Winzerfamilie haben wir für Speis und Trank ordentlich gemuggt. Schatten war leider nicht zu haben und so war uns nach einer Stunde Arbeit zumute, als hätten wir einen ganzen Tag im Bergwerk malocht. Zugegeben: Der Wein hat dabei auch eine Nebenrolle gespielt. Bis zum Abend haben wir uns dann gemächlich in Richtung Bad Kösen bewegt, hier und da Lieder gegen Liter getauscht, nette Menschen kennen gelernt und am vorletzten Weinstand einen wohlverdienten Feierabendschluck genossen.


Der Weg in unsere Betten war nicht weit und eigentlich wollten wir nur noch schlafen. Aber wie es manchmal so kommt: Die anderen Gäste des Hauses saßen im lauschigen Garten und sangen schöne Liedlein. Davon lassen wir uns ja immer gern locken. Es wurde dann doch noch ein sehr langer, aber sehr schöner Abend. Am Morgen sind wir nicht ganz ausgeschlafen, dafür aber sehr zufrieden in Richtung Waldenburg aufgebrochen, wo wir ab Zehn auf dem 20. Töpfermarkt musizieren wollten.
 

Kontakt

In unserem kurzweiligen Workshop erzählen wir Euch davon. Wir haben acht Lieder aus unserer Region ausgewählt, die wir in den letzten Jahren ausgegraben, zufällig gefunden oder aus dem Publikum geschenkt bekommen haben. Zu all diesen Liedern gibt es eine Geschichte, alte Liederbücher, Grafiken, Fotos oder alte Liedpostkarten, die wir zum Anschauen und Anfassen dabeihaben. Im Mittelpunkt jedoch steht meist die uns von netten Menschen ins Handy gesungene Liedvariante, vielleicht noch etwas illustriert mit gefundenen Melodie-Vorlagen.

Mit diesem Werkzeugkasten erzählen wir Euch, warum und wie wir diese Lieder gesucht und gefunden haben, wie wir mit dem vorgefunden Material (mal mehr oder weniger behutsam) umgehen, warum es früher oftmals keine Refrains gab und wir den selber schreiben mussten oder dass es auch für uns Strophen und Textpassagen gibt, die im früheren Kontext zwar absolut verständlich waren, für uns heute aber nicht mehr singbar sind. 

Liedtexte nebst Quellen und Grafiken haben wir für jeden Teilnehmer als kleines analoges Heften dabei, so dass Ihr auch alle mitsingen könnt. Bei allem Spaß, den wir im Workshop haben werden: Wir sind uns sicher, dass Ihr mit der Erkenntnis nach Hause geht, dass Folkslieder in Mundart zu singen weder peinlich noch putzig ist, sondern ein wertvoller und erhaltenswerter Teil unserer regionalen Tradition und unseres kulturellen Erbes.

Unsere Quellen seht Ihr in der Bildergalerie.
© Unfolkkommen
Verstanden
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