Die Elbereise
Von dem Rhein, von dem Rhein, macht mr fürchterlich Geschrei,
was für schönes grünes Wasser in dem Flusse drinne sei.
Ei was isn das nu wieder, liebe Leute seht doch selbst,
unsre Elbe ist viel schöner, niemals grüne, höchstens gelb!
Was tun die mit ihrem bissel grünem Wasser denn so lärm,
dass es an der Elbe schöner is, dass könn mr ihn‘ erklärn.
Immer an der Elbe lang, wolln mr off de Reise gehen,
an der Elbe, ja da is es wunderschön.
Dresden is ja, wie bekannt schon, eine wunderschöne Stadt,
welche an Merkwürdigkeiten eine ganze Menge hat.
Doch nicht in der Stadt alleine kann man Wunderdinge sehn,
‘s gibt noch mehrere, man muss nur bissel raus aus Dresden gehn.
Wir wollen Ihn‘ von unsrer Reise eenen kleenen Einblick gebm
Hörn‘ se off zu quatschn, nehm‘ se Platz und machen sich‘s bequem!
Immer an der Elbe lang, wolln mr off de Reise gehen,
an der Elbe, ja da is es wunderschön.
Ja in Dresden, ja in Dresden, tat mir‘s Bilett uns bestelln,
Salonwaachen, dritte Klasse, darin rutschten wir bis Cölln.
Denn wir wollten den berühmten Cöllner Dombau dort besehn,
und so fragten wir enn Fremdenführer, wo der würde stehn.
Doch der meente bloß, „Hier gibt’s nur einen Dombau weit und breit,
das ist nicht der, den se suchen, ‘s is der Meißner, tut mir leid!“
Immer an der Elbe lang, wolln mr off de Reise gehen,
an der Elbe, ja da is es wunderschön.
Und in Meißen, ja in Meißen, wächst ne edle Sorte Wein,
Grade wie am Rhein, nur bissel sießer könnte der wohl sein.
Dafür hat er eene Tugend, die e jeder gerne sieht
Dass er Löcher in dem Strimpen glei von selber zamme zieht.
Bei paar dinnen Socken schenkst de dir zwee volle Gläser ein,
sinn es heherwertsche Strimpe möchts e ganzer Liter sein.
Immer an der Elbe lang, wolln mr off de Reise gehen,
an der Elbe, ja da is es wunderschön.
Zurück in Dresden trifft mr Brücken, frieher waren das nur drei,
drüber musste mr hübsch rechts gehen, wegen großer Drängelei.
Un damit nich unser Elbedampfer an de Brücke tippt,
wir de Esse beim Passieren off de Seite umgekippt.
Iss dr Dampfer durchgefahren, klappt de Esse wieder hoch,
de Passagiere staunen und de Leute am Elbufer ooch.
Immer an der Elbe lang, wolln mr off de Reise gehen,
an der Elbe, ja da is es wunderschön.
Am Waldschlössel steht ne Brücke, die iss neu und gar ni scheen,
trotzdem tun de Leute jeden Tag in Massen drüber gehen.
Früher hammse och in Loschwitz so e Ungetüm gebaut,
da war blau und ganz aus Blech und hat den Elbeblick versaut.
Was ham sich de Leute damals schon de Mäuler halb zerrissen,
heute nenn ses „Blaues Wunder“, wolln vom Streite nischt mer wissen.
Immer an der Elbe lang, wolln mr off de Reise gehen,
an der Elbe, ja da is es wunderschön.
Hat man Dresden und de Brücken hinterm Rücken, ei potz Blitz,
fährt man off dem Elbestrome hin nach Losch- und Blasewitz.
Wo der Schiller seinen Carlos hat verkombobomboniert,
und so nebenbei in Blasewitz de Gustel hat bussiert,
ob se sichs gefallen lies, das weeß mr heute nich genau,
denn er ließ se schließlich sitzen und nahm sich ne andre Frau.
Immer an der Elbe lang, wolln mr off de Reise gehen,
an der Elbe, ja da is es wunderschön.
E Stück weiter, glei bei Pillnitz, steht e Schloss da an der Elbe,
das hat ganz verrückte Dächer, sieht chinesisch aus und gelbe.
Hat im Garten mr getrunken seinen bliemichen Kaffee,
geht’s im Friedrichsgrunde offwärts, offn Borsberg in de Höh,
wenn man früher stand da oben, off der allerhöchsten Spitz,
konnt mer gegenüber sehn das Alpenglühn von Tolkewitz.
Immer an der Elbe lang, wolln mr off de Reise gehen,
an der Elbe, ja da is es wunderschön.
Elbeoffwärts glei bei Pirne da beginnt das Oberland,
das wird von de Leite meistens nur de Säggs’sche Schweiz genannt.
Dorthin fährt mr mit’m Dampfschiff bis zum Fuße der Bastei,
das is für de Elbe etwa, wir fürn Rhein de Lorelei,
nur ne Jungfrau singt dort keene, nee - s geschieht höchsten e mal,
dass se Steene runter schmeißen und dann gibt’s en Mordsskandal.
Immer an der Elbe lang, wolln mr off de Reise gehen,
an der Elbe, ja da is es wunderschön.
Um de Kurve rum da sieht mrn Königsstein glei rechterhand,
vis-a-vi den Lilienstein, der is genauso weltbekannt.
Zwischen beeden mittendrinne is ne tiefe, tiefe Kluft,
un wer rüber will, muss runter, denn er kann nich durch de Luft,
un die beeden ollen Kerle glotzen sich eenander an,
weil der eene nicht zum andern zu Besuche nüber kann.
Immer an der Elbe lang, wolln mr off de Reise gehen,
an der Elbe, ja da is es wunderschön.
Zurück nach Dresden da gehts schnell, flussabwärts muddelt ni so sehr,
das Schiff legt an an der Terrasse vor dem Brühlschen Belverdere.
Und mr freut sich seines Lebens, sachte plätschert fort der Fluss,
heeme geht mr eigentlich nur, weil mr eben heeme muss.
Mir könnten Ihnen noch viel mehr vom scheenen Elbetal erzähln,
doch is de Reise hier ze Ende und mir dürfen uns empfehln.
Immer an der Elbe lang, wolln mr off de Reise gehen,
an der Elbe, ja da is es wunderschön.
was für schönes grünes Wasser in dem Flusse drinne sei.
Ei was isn das nu wieder, liebe Leute seht doch selbst,
unsre Elbe ist viel schöner, niemals grüne, höchstens gelb!
Was tun die mit ihrem bissel grünem Wasser denn so lärm,
dass es an der Elbe schöner is, dass könn mr ihn‘ erklärn.
Immer an der Elbe lang, wolln mr off de Reise gehen,
an der Elbe, ja da is es wunderschön.
Dresden is ja, wie bekannt schon, eine wunderschöne Stadt,
welche an Merkwürdigkeiten eine ganze Menge hat.
Doch nicht in der Stadt alleine kann man Wunderdinge sehn,
‘s gibt noch mehrere, man muss nur bissel raus aus Dresden gehn.
Wir wollen Ihn‘ von unsrer Reise eenen kleenen Einblick gebm
Hörn‘ se off zu quatschn, nehm‘ se Platz und machen sich‘s bequem!
Immer an der Elbe lang, wolln mr off de Reise gehen,
an der Elbe, ja da is es wunderschön.
Ja in Dresden, ja in Dresden, tat mir‘s Bilett uns bestelln,
Salonwaachen, dritte Klasse, darin rutschten wir bis Cölln.
Denn wir wollten den berühmten Cöllner Dombau dort besehn,
und so fragten wir enn Fremdenführer, wo der würde stehn.
Doch der meente bloß, „Hier gibt’s nur einen Dombau weit und breit,
das ist nicht der, den se suchen, ‘s is der Meißner, tut mir leid!“
Immer an der Elbe lang, wolln mr off de Reise gehen,
an der Elbe, ja da is es wunderschön.
Und in Meißen, ja in Meißen, wächst ne edle Sorte Wein,
Grade wie am Rhein, nur bissel sießer könnte der wohl sein.
Dafür hat er eene Tugend, die e jeder gerne sieht
Dass er Löcher in dem Strimpen glei von selber zamme zieht.
Bei paar dinnen Socken schenkst de dir zwee volle Gläser ein,
sinn es heherwertsche Strimpe möchts e ganzer Liter sein.
Immer an der Elbe lang, wolln mr off de Reise gehen,
an der Elbe, ja da is es wunderschön.
Zurück in Dresden trifft mr Brücken, frieher waren das nur drei,
drüber musste mr hübsch rechts gehen, wegen großer Drängelei.
Un damit nich unser Elbedampfer an de Brücke tippt,
wir de Esse beim Passieren off de Seite umgekippt.
Iss dr Dampfer durchgefahren, klappt de Esse wieder hoch,
de Passagiere staunen und de Leute am Elbufer ooch.
Immer an der Elbe lang, wolln mr off de Reise gehen,
an der Elbe, ja da is es wunderschön.
Am Waldschlössel steht ne Brücke, die iss neu und gar ni scheen,
trotzdem tun de Leute jeden Tag in Massen drüber gehen.
Früher hammse och in Loschwitz so e Ungetüm gebaut,
da war blau und ganz aus Blech und hat den Elbeblick versaut.
Was ham sich de Leute damals schon de Mäuler halb zerrissen,
heute nenn ses „Blaues Wunder“, wolln vom Streite nischt mer wissen.
Immer an der Elbe lang, wolln mr off de Reise gehen,
an der Elbe, ja da is es wunderschön.
Hat man Dresden und de Brücken hinterm Rücken, ei potz Blitz,
fährt man off dem Elbestrome hin nach Losch- und Blasewitz.
Wo der Schiller seinen Carlos hat verkombobomboniert,
und so nebenbei in Blasewitz de Gustel hat bussiert,
ob se sichs gefallen lies, das weeß mr heute nich genau,
denn er ließ se schließlich sitzen und nahm sich ne andre Frau.
Immer an der Elbe lang, wolln mr off de Reise gehen,
an der Elbe, ja da is es wunderschön.
E Stück weiter, glei bei Pillnitz, steht e Schloss da an der Elbe,
das hat ganz verrückte Dächer, sieht chinesisch aus und gelbe.
Hat im Garten mr getrunken seinen bliemichen Kaffee,
geht’s im Friedrichsgrunde offwärts, offn Borsberg in de Höh,
wenn man früher stand da oben, off der allerhöchsten Spitz,
konnt mer gegenüber sehn das Alpenglühn von Tolkewitz.
Immer an der Elbe lang, wolln mr off de Reise gehen,
an der Elbe, ja da is es wunderschön.
Elbeoffwärts glei bei Pirne da beginnt das Oberland,
das wird von de Leite meistens nur de Säggs’sche Schweiz genannt.
Dorthin fährt mr mit’m Dampfschiff bis zum Fuße der Bastei,
das is für de Elbe etwa, wir fürn Rhein de Lorelei,
nur ne Jungfrau singt dort keene, nee - s geschieht höchsten e mal,
dass se Steene runter schmeißen und dann gibt’s en Mordsskandal.
Immer an der Elbe lang, wolln mr off de Reise gehen,
an der Elbe, ja da is es wunderschön.
Um de Kurve rum da sieht mrn Königsstein glei rechterhand,
vis-a-vi den Lilienstein, der is genauso weltbekannt.
Zwischen beeden mittendrinne is ne tiefe, tiefe Kluft,
un wer rüber will, muss runter, denn er kann nich durch de Luft,
un die beeden ollen Kerle glotzen sich eenander an,
weil der eene nicht zum andern zu Besuche nüber kann.
Immer an der Elbe lang, wolln mr off de Reise gehen,
an der Elbe, ja da is es wunderschön.
Zurück nach Dresden da gehts schnell, flussabwärts muddelt ni so sehr,
das Schiff legt an an der Terrasse vor dem Brühlschen Belverdere.
Und mr freut sich seines Lebens, sachte plätschert fort der Fluss,
heeme geht mr eigentlich nur, weil mr eben heeme muss.
Mir könnten Ihnen noch viel mehr vom scheenen Elbetal erzähln,
doch is de Reise hier ze Ende und mir dürfen uns empfehln.
Immer an der Elbe lang, wolln mr off de Reise gehen,
an der Elbe, ja da is es wunderschön.
Quelle: Mündlich überliefert von Lothar Hanusch (Dresden), „Schwellhupprichs Reiseberich“ (Der Calculator an der Elbe / Nr°409/1880), Textbearbeitung durch UNFOLKKOMMEN