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Unfolkkommen

Säggs'sche Liedtexte

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Rathener Moritat

Lasset Euch berichten, was einst geschah in Rathen. 
Von Kletterergeschichten und ander'n Moritaten.
Kennt ihr die Geschichte schon vom schönen Kurort Rathen, 
die sich in der Urlaubszeit dort hat zugetragen.

Rathen is e scheener Ort, doch völlig überlaufen, 
die Touristen häufen sich dort zu großen Haufen.
In Rathen da befindet sich, se is ja kaum zu finden, 
die Sani-Unfall-Hilfsstation, im Amselgrund ganz hinten.

Drei Männer tun dort ihren Dienst vom Bergerettungswesen. 
Mancher hat schon eingeseh'n, wie nützlich dies gewesen.
Der Dienst sitzt grad beim Mittagstisch bei eenem Glase Biere, 
als plötzlich geht mit lautem Knall, off die Eingangsdiere.

Atemlos hereingestürzt kommt e  Basteibesucher. 
„Meine Frau is abgestürzt, ach helft dem armen Luder!“
Die Sanis wer'n zusamm' geholt aus Kneipen und Lokalen. 
Das Bier das dabei stehen bleibt, muß der Verletzte zahlen.

Eilig geht’s zum Wehlgrund hin, dort hinten an den Wänden, 
sieht mor eenen hellen Fleck schon in der Sonne blenden.
De Beene stehn zur Schulter raus, de Arme glei dorneb'n, 
dor Kopp hängt schief doch irschendwie, isse noch am Leben.

Der Abtransport geht nu ganz schnell, nunter bis nach Rathen. 
Dort wartet ooch e Doktor schon in seinem Rot-Kreuz-Laden.
Narkose is de erste Pflicht; "Her mit dem Holzhammer!"
Doch ze find'n is'er nich, in dieser Rumpelkammer.

Mit eenem dinnen Kletterseil und 'ner Nähmaschine,
flicken se ihr dann geschwind de Knochen hiem und drieme.
Schließlich muss dor Doktor dann den schiefen Kopp noch richten,
das tut er mit eem Flaschenzug und dicken Bleigewichten.

Zuletzt noch eenen tiefen Schluck aus der Ätherflasche, 
dann hat dor Sani Feiera'md und schnappt sich seine Tasche.
De Operation die is geglückt, de Anni ließ ihr Leben. 
Der Ehemann ist hochentzückt, und geht gleich einen heben.

Und die Moral von der Geschicht', hast' Zoff mit deiner Anni, 
dann schmeiß se in den Wehlgrund nein - den Rest besorscht dor Sani.
 
 
Quelle: Diese Moritat hatten wir 2012 beim Kirnitzschtalfest in der Neumannmühle von Hans-Joachim Böhm gehört. Eine schaurige Geschichte vom tragischen Ende der Anni Schulze im Wehlgrund bei Rathen und zugleich Loblied auf die Bergrettung im Amselgrund. Den Text mussten wir ein klein wenig anpassen, da nicht alle Menschen ein so robustes Gemüt wie die Bergsteiger haben.
 

Kontakt

In unserem kurzweiligen Workshop erzählen wir Euch davon. Wir haben acht Lieder aus unserer Region ausgewählt, die wir in den letzten Jahren ausgegraben, zufällig gefunden oder aus dem Publikum geschenkt bekommen haben. Zu all diesen Liedern gibt es eine Geschichte, alte Liederbücher, Grafiken, Fotos oder alte Liedpostkarten, die wir zum Anschauen und Anfassen dabeihaben. Im Mittelpunkt jedoch steht meist die uns von netten Menschen ins Handy gesungene Liedvariante, vielleicht noch etwas illustriert mit gefundenen Melodie-Vorlagen.

Mit diesem Werkzeugkasten erzählen wir Euch, warum und wie wir diese Lieder gesucht und gefunden haben, wie wir mit dem vorgefunden Material (mal mehr oder weniger behutsam) umgehen, warum es früher oftmals keine Refrains gab und wir den selber schreiben mussten oder dass es auch für uns Strophen und Textpassagen gibt, die im früheren Kontext zwar absolut verständlich waren, für uns heute aber nicht mehr singbar sind. 

Liedtexte nebst Quellen und Grafiken haben wir für jeden Teilnehmer als kleines analoges Heften dabei, so dass Ihr auch alle mitsingen können. Bei allem Spaß, den wir im Workshop haben werden: Wir sind uns sicher, dass Ihr mit der Erkenntnis nach Hause geht, dass Folkslieder in Mundart zu singen weder peinlich noch putzig ist, sondern ein wertvoller und erhaltenswerter Teil unserer regionalen Tradition und unseres kulturellen Erbes.

Unsere Quellen seht Ihr in der Bildergalerie.
© Unfolkkommen
Verstanden
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