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Unfolkkommen

Säggs'sche Liedtexte

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Ballade eener Säggs‘schen Räuberbraut

E Räuber, is mei Schatz, der Peter,
eenen Scheen'ren sah ich nie.
Seinen Hut schmückt eene Feder
von enn bunten Giggerigi.

An sei‘m Deeschen hängt e Döbb'schn,
das er stahl, ich weeß ni wo,
unn zwee Reihen goldner Gnebb'schn
zieren seinen Balledoo.

Wenn er Morschens aus der Ferne,
naht mit leisem Diebesschritt,
bringt er aus‘m Wald bei Berne
de geraubten Sachen mit:

Seefe, Wäsche, Kleeder, Hosen,
woll‘ne Schrimpfe, Schweizerkäs',
gold’ne Uhren un gold’ne Dosen
un gefüllde Bordmonnähs.

Kuchen, Zuckerwerk zum Naschen,
schleppt ’r in de Höhle nein,
oft sogar e Dutzend Flaschen
von dem guten Meißner Wein.

Was de liebe, treue Seele
hat geraubt in stiller Nacht,
wird in unsrer Reiberhöhle
dann bei Tage durchgebracht.
Nobel sin der Reiber Sitten,
leben stets in Saus un Braus,
Drum - als Bräutchen des Banditen
- rufe ich begeistert aus:

E Räuber, is mei Schatz, dor Peter,
eenen Scheenren sah ich nie.
Seinen Hut schmückt eene Feder
von enn bunten Gigerigi.
 
Quelle: Karl von der Planitz (1845 – 1899), ein un(wohl)geratener Sprössling alter sächsischer Militaristen, hat unter dem Pseudonym Mikado diese Ballade in „Des sächsischen Knaben Wunderhorn“ 1888 in Dresden veröffentlicht. Räuber gab es hierzulande ja zu Hauf, so einen liebenswerten wie den Räuberpeter aber bestimmt nicht so oft. Die Melodie stammt aus unserer Feder.
 

Kontakt

In unserem kurzweiligen Workshop erzählen wir Euch davon. Wir haben acht Lieder aus unserer Region ausgewählt, die wir in den letzten Jahren ausgegraben, zufällig gefunden oder aus dem Publikum geschenkt bekommen haben. Zu all diesen Liedern gibt es eine Geschichte, alte Liederbücher, Grafiken, Fotos oder alte Liedpostkarten, die wir zum Anschauen und Anfassen dabeihaben. Im Mittelpunkt jedoch steht meist die uns von netten Menschen ins Handy gesungene Liedvariante, vielleicht noch etwas illustriert mit gefundenen Melodie-Vorlagen.

Mit diesem Werkzeugkasten erzählen wir Euch, warum und wie wir diese Lieder gesucht und gefunden haben, wie wir mit dem vorgefunden Material (mal mehr oder weniger behutsam) umgehen, warum es früher oftmals keine Refrains gab und wir den selber schreiben mussten oder dass es auch für uns Strophen und Textpassagen gibt, die im früheren Kontext zwar absolut verständlich waren, für uns heute aber nicht mehr singbar sind. 

Liedtexte nebst Quellen und Grafiken haben wir für jeden Teilnehmer als kleines analoges Heften dabei, so dass Ihr auch alle mitsingen können. Bei allem Spaß, den wir im Workshop haben werden: Wir sind uns sicher, dass Ihr mit der Erkenntnis nach Hause geht, dass Folkslieder in Mundart zu singen weder peinlich noch putzig ist, sondern ein wertvoller und erhaltenswerter Teil unserer regionalen Tradition und unseres kulturellen Erbes.

Unsere Quellen seht Ihr in der Bildergalerie.
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